Aus der "Chronik des Ortes Kausche" - erschienen beim Niederlausitzer Heidemuseum Spremberg 1997 - liegt folgendes Bild- und Textmaterial vor:


Mit dem sprunghaften Anstieg der Einwohnerzahl fanden sich Interessentengruppen zusammen, die Vereine bildeten. Den ersten Dorfverein gründeten im März 1895 die Sportinteressierten: den Turnverein "Germania". Bekannte Sportfreunde waren der langjährige Vorsitzende Friedrich Gerhard, weiter Ernst Kanter und Oswald Nadolski, später Ernst Appelt, Alfred Sallmann, vor allem aber Fritz Kirsch. Bis ins hohe Alter bildete er bis nach 1950 Kinder und Jugendliche an den Turngeräten aus.

Der Turnverein, der "Radfahrerverein 1897" und auch die anderen Vereine entwickelten sich besonders rasch nach dem 1. Weltkrieg.

Bild: Arbeiter-Radsport-Verein "Solidarität" 1926

Die Radsportler fuhren auf ihren eigenen Fahrrädern. Zuerst wurden Sonntagsausflüge und Fahrten zu Stiftungsfesten in anderen Orten unternommen. Erst in den 20er Jahren wurden Vereinsrennen veranstaltet. Hervorzuheben sind die Dreiecksrennen Kausche-Cottbus-Spremberg-Kausche über eine Distanz von 55km. Die Sieger erhielten eine Urkunde.

Bild: Vereinsmeisterschaft im Arbeiter-Radsport-Verein "Solidarität", 20er Jahre

Den 3. Platz belegte Alfred Feike am 19. August 1928. Er absolvierte die Strecke in 1 Std. 52 Min. 4 Sek. - eine für damalige Bedingungen sehr gute Zeit.

Bild: Ehrenurkunde für Alfred Feike 1928

Funktionäre des Vereins waren u.a. Sitschik, Mudraschk und Fritz Krautz. Schrimherr des 1895 gegründeten Knappenvereins und danach des Kriegervereins war Werksbesitzer Knobbe. Die Knappen traten bei besonderen Veranstaltungen im Ort und im Werk sowie bei Beisetzungen auf. Höhepunkt der Veranstaltungen des Kriegervereins war bis 1939 das Königsschießen auf dem Schießstand hinter dem Gutspark. Marschiert wurde im schwarzen Anzug (Gehrock) mit Zylinder und alten Traditionsgewehren. Die Gewehre und die Fahne sind im April 1945 verbrannt. Anfang der 20er Jahre entstand der sogenannte Schwarze Radfahrerverein. 

Der Radfahrerverein 1897 wurde nun der "Rote" genannt. Mit einer festlichen Demonstration holten 1923 die "Schwarzen" ihre 6 neuen Saalmaschinen in Neupetershain ab, auf denen sie Kunstrad- und Kunstreigenfahrten übten. Vorsitzender war Fritz Müller.

Bild: Radsportverein 1923

Ab 1928 kamen zum Kegeln und Lagenschießen noch das Billardkegeln und ab 1932 das Vogelschießen mit der Armbrust dazu.

Vom Turnverein wurde der Sportplatz hergerichtet. Nun konnte - neben Turnen und Boxen im Saal - auch Fußball und Feldhandball gespielt und Leichtathletik ausgeübt werden. Für den Ausmarsch zum Sportfest stand ein Tambourchor zur Verfügung.

1929 fand das erste Sportfest der Arbeiter "Freie Spielvereinigung" im Fußball statt. Leiter der Vereinigung war Otto Stephan. Es bestand eine Männer- und eine Jugendmannschaft. Sie richteten noch eine zweite Spielfläche her. Die gewonnenen Pokale und Urkunden der Vereine sowie Wimpel fanden im Vereinszimmer der Gaststätte Kanter ihren Platz. Leider verbrannten 1945 auch diese Zeugnisse der sportlichen Vergangenheit Kausches.

Bild: Freie Spielvereinigung 1931

Im März 1948 begannen die Vorbereitungen zur Neugründung zur Sportgemeinschaft "SG Kausche". Große Verdienste erwarben sich dabei besonders die Sportfreunde Paul Wollniok, Richard Gerhardt, Franz Feike und Kurt Ziegenhorn. Der Sportplatz sah wüst aus und musste erst geräumt und dann für den Spielbetrieb hergerichtet werden. Aus den Steinen des gesprengten Kauscher Schlosses und Karbitkalk - per Pferdefuhrwerk aus Welzow herbeigeschafft - wurde die Sportlerbaracke errichtet, später mit Abrsisssteinen aus dem "Räuberschlösschen" die "Sportlerklause" angebaut. Richtfest war 1954. Zuerst nahm die Sektion Fußball 1948 den regulären Spielbetrieb auf. Das erste Spiel fand gegen eine Elf aus Neupetershain statt. Anfangs musste die Männermannschaft bei Auswärtsspielen in den Nachbararorten - auch in Calau und Brieske - noch Niederlagen in Kauf nehmen, während sich die Jugendmannschaft besser behauptete. Die 15:0-Niederlage gegen die Reserve der Obeligamannschaft von Aktivist Brieske/Senftenberg im Jahre 1950 war wohl die schlimmste Packung.

Bild: Landessportfest mit Empor Spremberg Männer/Junioren, 1. Mai 1951

Erst 1961/62 gelang den Fußballern der Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Später kam eine schlimme Zeit: 2 Jahre lang war der Fußball in Kausche völlig tot.

Bild: Kauscher Fußballer 1960

1972 nahm dann der jahrelange Sektionschef Klaus Feike das Heft in die Hand und stellte wieder eine Elf auf die Beine. Weggezogene Kauscher aus Altdöbern, Hoyerswerda, Spremberg und Cottbus folgten seinem Ruf.

Die 1950 gebildete und von Fritz Kirsch angeleitete Turnkinderriege trainierte im Saal der Gaststätte. Auch eine Frauenhandballmannschaft fand sich für einige Jahre zum Spiel zusammen. 1960 kam auf Initiative von Sportfreundin Inge Ziegenhorn eine Frauengymnastikgruppe zustande, deren langjähriger Übungsleiter Sportfreund Hörnlein vom Trainingszentrum Spremberg war. Zum Volkssport wurde Tischtennis. Am erfolgreichsten entwickelte isch das Billardkegeln, hinter dem als treibende Kraft die Sportfreunde Paul Wollniok und Kurt Ziegenhorn standen. Die Billardspieler sind stolz darauf, dass es seit Aufnahme des Spielbetriebes im Jahre 1962 keine einzige Unterbrechung gegeben hat. 3 Jahre später bereits errangen sie den Titel eines Kreismeisters. In den 70er Jahren spielten sogar 2 Männer- und eine Juniorenmannschaft in der Kreisklasse.

Bild: Billardkegler 1964/65

Für die örtliche Sportbewegung setzten sich ab den 80er Jahren besonders Klaus Feike und Herbert Richter ein, der von 1987 - 2008 die Geschicke des Vereins lenkte. Gegenwärtig gehören dem Verein mehr als 90 eingeschriebene Mitglieder an. Heute ist neben den Mannschaften in Fußball und Billard noch eine gemischte Volleyballmannschaft unter Leitung von Bernd Steinland aktiv.

Rund ein Dutzend Vertreterinnen des "schwachen Geschlechts" haben sich in der Allgemeinen Sportgruppe der Gymnastik verschrieben.

Vom 02. bis 04. August 1996 wurde das letzte Sportfest im alten Kausche gefeiert. Das erste hatte 1929 stattgefunden und war wie alle folgenden ein Volksfest für das ganze Dorf.

Bild: Sportfest Kausche 1996